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Vordemo vom not welcome Bündnis (21.09.2011)

Die GenossInnen vom „Not welcome!“-Bündnis veranstalten am Mittwoch, den 21.09.2011, eine Vordemo gegen den Papstbesuch. Hier der ganze Aufruf.

Gegen dich und deine Freunde!
Ratzinger in Berlin? – Not Welcome!
Staat und Kirche Hand in Hand? – Fuck Authority!

Vorabend-Demo ++ Dezentraler Protest ++ Mobilisierung nach Erfurt

Heilige Scheiße, Papst Joseph Ratzinger, das Oberhaupt der katholischen Welt, der Großinquisitor – himself – kommt nach Berlin!

Er, der 2009 den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson wieder heim ins katholische Reich holte (Williamson: „Es gab keine Gaskammern“), er, der Anfang Juni Kardinal Alojzije Stepinac – ein Kollaborateur der kroatischen Ustascha-Faschist*innen – als „wahren Verteidiger des Humanismus“ ehrte, er, der Homosexualität für eine Art Krankheit hält und ernsthaft behauptet, Kondome würden das Aidsproblem verschlimmern, sucht vom 22. bis 25. September 2011 die Erzbistümer Freiburg, Berlin und Erfurt heim.

Die deutsche Regierung, hofiert diesen reaktionären Boss eines verbrecherischen Vereins, der Antisemiten und Vergewaltiger als Ehrenmitglieder führt, und lässt ihn sogar in der weltlichen Institution des Bundestags seine Rede schwingen. Parlamentarier*innen, die sich das nicht antun wollen und die Rede boykotieren, wird von Christdemokrat*innen fehlendes Demokratieverständnisses vorgeworfen. Erzbischof Robert Zollitsch und die Berliner CDU, die sich in den letzten Wochen als ausgemachte Fürsprecher der Bundestagsrede und des Papstbesuches profilierten, kündigen für den Vorabend einen Empfang in der CDU-Bundeszentrale an, um sich auf den Auftritt der „göttlichen Unfehlbarkeit“ einzustimmen.

Wir, die Bewohner*innen des sündigen Babels, sind nicht einverstanden mit der unkritischen Hofiererei des Papstes durch Institutionen eines angeblich „säkulären Staates“, der aus Prestigegründen immense Beträge für diesen Besuch freigibt (über 100 Mio. Euro!). Unsere Protest richtet sich darum nicht nur gegen Ratze und seine menschenverachtende Positionen, sondern auch gegen jene, die seinen Auftritt politisch erst ermöglicht haben. Die politischen Gastgeber Benedikt XVI.’s, wie auch die militärischen Arme des Staates, die das „Megaevent“ mit Knüppel, Schild und allerlei Überwachungstechnik absichern, machen sich bewusst zum Wasserträger für Ratzingers Politik. Benedikts Verein steht für unzählige Verbrechen an der Menschheit, weshalb der Vatikan auch ein für allemal abgeschafft gehört! 2000 Jahre Hass und Inquisition reichen. Statt der Bibel halten wir es lieber mit der Internationalen:

„Es rettet uns kein höh‘res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!“

Dafür gehen wir auf die Straße, und zeigen dem Papamobil, dass viele Wege zurück nach Rom führen. Wir werden da sein, wenn sich Organisator*innen und Unterstützer*innen des Papstbesuchs am 21. September zum großen Händeschütteln treffen, wir werden am 22. September mit mehr als 10.000 Menschen auf der antipäpstlichen Großdemo ein klares Zeichen setzen und am selben Tag vor Ratzingers Übernachtungsunterkunft ziehen, um ihm den Schlaf zu rauben. Und wir setzen noch eins drauf: Wir fahren am 23.September zusammen nach Erfurt zur Anti-Papst-Demo, um unsere Freund*innen in Thüringen zu unterstützen, deren Engagement sich derzeit unter Beschuss von Politik und Boulevardpresse befindet.

Mögen sich politische Elite, Tourismusbrange und Kirche über den Besuch des Vizegottes noch so freuen, diese Menschwerdung des alten, deutschen SS-Geistes ist hier nicht willkommen!

21. September 2011: Vorabend-Demo „Gegen dich und deine Freunde!“
Demo gegen das Treffen der Unterstützer* und Organisator*innen des Papstbesuches in der CDU-Bundeszentrale.
17.30 Uhr | Wittenbergplatz | U1, U2, U3

22. September 2011: Großdemo gegen den Papstbesuch
16.00 Uhr | Potsdammer Platz | U2, S1, S2, S25,
Antifa-Block: „Not Welcome! – Den Papstbesuch in Berlin zum Desaster machen“
Block Betroffener sexualisierter Gewalt und solidarischer Menschen: „Block der Gesichtslosen“

22. September 2011: Eine Kleine Nachtmusik für den Papst: „Schlaflos in Kreuzberg“
19.30 Uhr – 24.00 Uhr | Apostolische Nuntiatur (Lilienthalstraße 3a) | Südstern

23. September 2011: Anti-Papst-Demo in Erfurt: „Heidenspaß statt Höllenagst!“
18.00 Uhr | Bahnhofsvorplatz | Bhf. Erfurt |
Zug-Treff für Berliner*innen: 11.40 Uhr, Berlin Hbf., Gleis 14

„Not Welcome!“-Bündnis

Aktuelle Infos, ausführlicher Aufruf etc.:
Web: notwelcome.de | Facebook: facebook.notwelcome.de

Interview bei coloRadio (Dresden)

Noch ein Interview zum Papstbesuch, diesmal mit Paula vom What the Fuck-Bündnis bei coloRadio aus Dresden.
http://www.freie-radios.net/43140

1000 Kreuze wollen Verfolgte sein

Bilder von 1000 Kreuze Marsch und Protesten dagegen. (To be updated.)


Mehr Bilder: http://just.ekosystem.org/BLOG/?p=2464
Noch mehr Bilder: http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157627565626243/with/6155281557/


Und noch mehr Bilder: http://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/sets/
72157627571461423/with/6157929445/

Presseerklärung: 17.09.2011
Proteste gegen 1000 Kreuze Marsch

Presseerklärung: 17.09.2011 Proteste gegen christlich-fundamentalistischen Anti-Abtreibungsmarsch in Berlin erfolgreich. Zahl der Teilnehmenden stagniert, kein Öffentlichkeitserfolg.

Berlin, 17.09.2011. Das Berliner Bündnis „What the Fuck“, welches zu Protesten gegen den „Marsch für das Leben“ christlich-fundamentalistischer Organisationen am 17.09.2011 in Berlin aufgerufen hatte, zieht eine positive Bilanz. Rund 1000 fundamentalistische Christinnen und Christen hatten, wie in den letzten Jahren, gegen Abtreibungen protestiert. Damit blieb die Zahl der Teilnehmenden konstant. Zuvor hatten die Organisatorinnen und Organisatoren des Marsches für das Leben mit mehreren Tausend Teilnehmenden gerechnet. „Auch die jetzt genannte Zahl von 2.200 ist weit übertrieben und zeigt, wie wenig die christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten vor unchristlichen Lügen zurückschrecken“, erklärt Joanna Doe von „What the Fuck“-Bündnis schmunzelnd.
Der „Marsch für das Leben“ wurde die gesamte Strecke über von lautstarken Protesten mehrerer hundert Menschen, größtenteils aus dem feministischen und antifaschistischen Spektrum begleitet. „Der Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch hat sich etabliert“, so Joanna Doe. „Konnten vor einigen Jahren christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten in Berlin noch relativ ungestört ihre antimodernen Gesellschafts- und Menschenvorstellungen verbreiten und über Lobbyarbeit versuchen, diese auch in Gesetzesform gesellschaftlich relevant werden zu lassen, ist ihnen das nicht mehr möglich. Insoweit sehen wir es als Erfolg an, dass sie dies nicht mehr ungestört können, sondern unter beständiger Beobachtung stehen. Sie können nicht mehr einfach ihre antifeministischen, homophoben und nationalistischen Vorstellungen unwidersprochen äußern.“
Letztlich sei der „Marsch für das Leben“ wieder kein Öffentlichtkeitserfolg für die christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten gewesen.
Das Bündnis „What the Fuck“ hatte aufgerufen, nicht nur gegen den Marsch für das Leben, die dort erhobenen Forderungen nach einem Verbot von Abtreibungen und dem letztlichen Ziel, eine christliche Gesellschaft zu erreichten, zu protestieren. Vielmehr stand der Protest für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und damit auch gegen den §218 StGB im Fokus der Proteste.
Das Verhalten der Berliner Polizei, die rabiat gegen Protestierende vorging und versuchte, die Gruppen möglichst weit auseinander zu halten, verurteilte das Bündnis. Dazu Doe: „Die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten gehen auf die Straße, um die Öffentlichkeit zu erreichen. Wer in Öffentlichkeit geht, muss damit leben, das gegen ihn protestiert wird, insbesondere, wenn er anderen Menschen den eigenen Glauben aufzwingen will. Deshalb muss die Sicht- und Hörweite von Protesten immer gegeben sein. Es gibt keinen Grund, warum eine radikale Christin davor geschützt werden muss, zu sehen, wie zwei Männer sich küssen – nur als Beispiel. Das Vorgehen der Polizei, die einzig gegen Protestierende vorging, stand dem wieder einmal gegenüber.“ Insgesamt gab es vier Gewahrsamnahmen.
Das Verhalten der Teilnehmenden des „Marsches für das Leben“ zeigte in der Einschätzung des „What the Fuck“-Bündnis wieder einmal, dass diese sich ideologisch zwischen Rechts-Konservatismus und Neofaschismus bewegen. So liefen die Männer auf dem Marsch am Rand, angeblich um Frauen und Kinder zu schützen und zeigten damit offen ihr Geschlechter- und Familienbild. Zudem wurde auf der Abschussveranstaltung des Marsches wieder die Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, die der Neuen Rechten zugerechnet wird und regelmäßig über den Marsch für das Leben berichtet, offen verteilt.
Das „What the Fuck“-Bündnis ruft weiterhin zu Protesten gegen den Papstbesuch am 22.09.2011 auf. Es verwies darauf, dass der Marsch für das Leben in Berlin ohne die Unterstützung der katholischen Kirche nicht stattfinden könne. Die offiziellen Abgrenzungen der Kirche gegenüber den Fundamentalismus seien deshalb ein Farce.

Mach mit, sei schön und sexy

Päpstin Rosa I. verkündete bei ihrem Besuch auf dem Berliner Slutwalk bekanntlich: „Alle Menschen sollen schön und sexy herumlaufen dürfen, ohne irgendwelche Unannehmlichkeiten befürchten zu müssen.“ Und als Gegenpäpstin hat sie selbstverständlich Recht (im Gegensatz zu den alten, bösen Männern im Vatikan).

Du kannst jetzt der Verkündung der Päpstin folgen und dies mit der Unterstützung des What The Fuck Bündnis verbinden. Suche in der Stadt die folgenden Bedruckterzeugnisse (oder finde sie am 23.09.2011, 23.59 Uhr, auf der Party im ://about blank) und verwandle Arbeitswert-Äquivalente aus dem falschen Leben im Falschen in Solidarität und Sachen zum schön-aussehen.

Presseerklärung: Proteste gegen christlich-fundamentalistischen Anti-Abtreibungsmarsch am 17.09.2011 in Berlin. Bündnis: „Fundamentalismus gehört bekämpft – §218 gehört abgeschafft.“

Berlin, 15.09.2011. Das Berliner Bündnis What the Fuck, welches auch gegen den Besuch des Papstes am 22.09.2011 mobilisiert, kündigt Proteste gegen den „Marsch für das Leben“ am 17.09.2011 in Berlin an. Dieser Marsch wird von christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten organisiert, welche sich gegen jede Form von Abtreibung engagieren. Unter dem irreführenden Label des Lebensschutzes existiert, so das What the Fuck Bündnis, eine auch in Deutschland aktive Bewegung, die eine radikal christliche Gesellschaft errichten will und gegen alle Formen des gesellschaftlichen Fortschritts vorgeht. Der Kampf gegen Abtreibung ist eine der Politikfelder dieser Bewegung. Der „Marsch für das Leben“, welcher über das Jahr verteilt in mehreren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfindet, sei ein Versuch, die Inhalte des christlichen Fundamentalismus öffentlich zu vertreten.
Im christlich-fundamentalistischen Weltbild gelte, so das Bündnis What the Fuck, das Selbstbestimmungsrecht der Frau vor allem eine Abweichung von Gottes Plan. Letztes Ziel sei, das sich gesamte Gesellschaft diesem angeblichen Plan Gottes unterwerfen solle. Die von der christlich-fundamentalistischen Bewegung angestrebte Gesellschaft, würde sich durch eine strikte Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität auszeichnen, wäre auf explizit antidemokratischen Herrschaftsformen aufgebaut, die sich bis in die persönlichsten Beziehungen durchsetzen würden. Zudem sei sie von einer strikten Schicksalsgläubigkeit geprägt. Das Bestehende würde von christlichen Fundamentalismus als gottgewollt verstanden. „Der Mensch soll sich nach diesem Bild einfach Kollektiven unterordnen und auf eigenständige Entscheidungen oder gar eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungen verzichten“, so Joanna Doe, Sprecherin des Bündnisses. „In letzter Konsequenz ist der christliche Fundamentalismus eine radikalisierte Variante der Rechtskonservatismus, inklusive des Nationalismus, Anti-Feminismus und der radikalen Ablehnung der Selbstaufklärung der Menschen. Dies ist eine politische Bewegung, die nicht nur selber teilweise gewalttätig wird, sondern auch klare Anschlüsse zum Neofaschismus liefert. Deshalb laufen bei fast allen dieser Märsche auch Neofaschistinnen und Neofaschisten mit.“
Gegen den „Marsch für das Leben“ wird in Berlin und anderen Städten seit einigen Jahren aktiv protestiert. Dazu Joanna Doe: „Die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten behaupten, eine Abtreibung sei mit Mord gleichzusetzen. Frauen hätten nicht etwa das Recht, selber über ihren Körper zu entscheiden. Vielmehr würde Gott darüber entscheiden, wann ein Kind gezeugt wird. Dieses sei deshalb unter allen Umständen zur Geburt zu bringen, selber wenn die Zeugung Ergebnis einer Vergewaltigung ist. Es ist klar ersichtlich, dass diese Haltung Frauen zu Geburtsmaschinen degradiert.“ Joe betonte weiter, dass ihr Bündnis dahingegen an der alten Forderung der feministischen Bewegung nach der ersatzlosen Streichung des §218 StGB, welches Abtreibung weiterhin unter Strafe stellt, festhält. Jeder Kompromiss in dieser Frage sei ein Angriff auf die Rechte der Frauen.
Gegen den „Marsch für das Leben“ ruft das Bündnis zu drei Kundgebungen auf. Die erste wird um 12.00 Uhr am Bundeskanzleramt, dem Aufmarschort des Marsches, starten. Die zweite befindet sich auf der Strecke des Marsches, die letzte wird ab 15.00 Uhr am Endpunkt des Marsches, der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz, beginnen.
Im Bezug auf den bevorstehenden Papstbesuch betonte Joanna Doe, dass der Marsch für das Leben ohne die Unterstützung der katholischen Kirche nicht in der bekannten Form durchgeführt werden könnte. „Zwar stammen die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten aus allen christlichen Strömungen, aber es ist die katholische Kirche, die in Berlin die Infrastruktur zur Verfügung stellt: Das Büro der organisierenden Gruppe befindet sich in einer katholischen Einrichtung, der Abschlussgottesdienst wird von einem katholischen Geistlichen in einer katholischen Kirche durchgeführt. Die Päpstliche Nuntiatur grüßt den Marsch jährlich. Der christliche Fundamentalismus ist kein Randphänomen, sondern eine Strömung, die von den großen christlichen Kirchen unterstützt wird. Das muss auch einmal klar gestellt werden.“

AG Gewaltökonomien:
Familienpolitik entlarven!

Ökonomien der Bevölkerung: Familienpolitik entlarven!

Montag, 19.09.2011; 19h; Familiengarten Kreuzberg, Oranienstraße 34 (rolli-gerecht)

Seit einigen Jahren schon gelten demografische Ziele als Motor staatlicher Familienpolitik in Deutschland wieder als legitim. Vor allem einkommensstarke, akademisch gebildete Frauen mit deutschem Pass sollen (mehr) Kinder bekommen (Elterngeld, Tagesbetreuungsausbaugesetz etc.); auf der anderen Seite wurden staatliche Unterstützungen für Hartz-4 Empfängerinnen und Geringverdienerinnen gekürzt, ebenso gab es Einsparungen im Bereich der Jugendbildung und Kinderfreizeitbetreuung. Auf diese Weise werden bestimmte Bevölkerungsgruppen begünstigt und andere immer weiter an den Rand gedrängt; eine Entwicklung, die sich in vielen Staaten, aber auch auf der globalen Ebene beobachten lässt. Diese Art von Fortpflanzungspolitiken sind hoch selektiv-, sie sollen steuern wer Kinder bekommt und welche Kinder geboren werden. Diese Entwicklung korrespondiert mit neokonservativen Backlashs in den Frauengesundheits-Debatten, Abtreibungsfragen und rasanten Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin.

Eine feministische Kritik aktueller Fortpflanzungspolitik muss sich nicht nur mit pronatalistischen, sondern auch mit antinatalistischen Programmen, die Einfluss auf die Geburtenrate nehmen wollen, auseinandersetzen. Diese sind darüber hinaus im Rahmen aktueller Gendiagnostik mit eugenischen Tendenzen zu betrachten. Welche Abgrenzungen zu konservativen, lebensschützerischen Positionen und Vereinnahmungsversuchen sind dabei wichtig? Ein Rückblick in feministische Konzepte der reproduktiven Rechte könnte dafür interessant sein.

Anlässlich des Papstbesuchs wollen wir bei unserer Diskussionsveranstaltung beleuchten, auf welche Weise diese Politiken heteronormative Vorstellungen der Kleinfamilie fortschreiben, welchen nationalen und ökonomische Interessen sie bedienen, und von welchen konservativen, kirchlichen und rassistischen Lobbies sie vorangetrieben werden. Nicht zuletzt wollen wir fragen, wie eine emanzipatorische, queer/feministische Positionierung und Praxis zu den familien-, bevölkerungs- und gesundheitspolitischen Entwicklungen aussehen kann.

Zu Gast:
Susanne Schultz vom Gen-ethischen Netz e.V.: zum Thema Demografie und Familienpolitik
Sarah Diehl vom pro choice Netzwerk: zum Thema die Rolle von Kirche und Konservativen in Familien- und Gesundheitspolitik weltweit

organisiert von der AG Gewaltökonomien

Aufruf zum „Block der Gesichtslosen“

Betroffener sexueller Gewalt in der Kindheit rufen mit einem eigenen Aufruf zur Teilnahme an einem Block auf der Großdemonstration gegen den Papstbesuch am 22.09.2011 auf.

Gegen sexualisierte Gewalt
Nonabsolvimus vos – Wir vergeben euch nix

Aufruf zum: „Block der Gesichtslosen – gegen sexualisierte Gewalt“ auf der Demo gegen den Papstbesuch am 22.09.2011 um 16h am Brandenburger Tor (achtet auf Änderungen)

Infoveranstaltungen zur Demo: 13.09, 18h im Infoladen der Wildwasser/Selbsthilfe Friesenstraße 6 // 21.09, 19h im großen Versammlungsraum Mehringhof Gneisenaustr 2a

Am 22./23. September 2011 kommt Papst Benedikt XVI nach Berlin. Er wird vom Bundestag als Staatsgast empfangen werden und vor Tausenden von Menschen im Olympiastadion eine öffentliche Messe halten. Diesen Anlass werden wir gemeinsam mit anderen nutzen, um unseren Unmut über die Institution der katholischen Kirche auf die Straße zu tragen.

Gegen patriarchale und hierarchische Strukturen
Gegen das Wegschauen und Vertuschen bei sexueller Gewalt gegen Kinder
Gegen das Decken von Gewalttätern durch die Kirche
Gegen dogmatische Denkstrukturen

Wir als Arbeitsgemeinschaft von Betroffenen sexueller Gewalt in der Kindheit (Wildwasser Frauenselbsthilfe und Beratung, Berlin) rufen deshalb dazu auf, sich an der „der Papst kommt“-Demo des LSVDs zu beteiligen und in unserem „Block der Gesichtslosen“ mit eigenen Transparenten mitzulaufen. Die Demo findet am 22. September statt und beginnt um 16:00 Uhr mit einer Kundgebung am Brandenburger Tor.
Weil wir eine Instrumentalisierung von Betroffenen sexueller Gewalt durch die Presse verhindern möchten und auch im Allgemeinen nicht damit einverstanden sind, wie skandalisiert Einzelschicksale von Betroffenen als Opfer in den Medien
voyeuristisch breitgetreten werden, machen wir den „Block der Gesichtslosen“. Wir tragen weiße Masken, um gemeinsam den Betroffenen sexueller Gewalt durch die Institution katholische Kirche ein Gesicht zu geben und der Tabuisierung von
Missbrauch in Institutionen und Familien etwas entgegen zu setzen.
Sexuelle Gewalt gegen Kinder wird weiterhin ausgeübt. Jeden Tag. Immer noch. In vielen Bereichen der Gesellschaft. Gerade in patriarchalen Strukturen wie jenen der katholischen Kirche. Deshalb ist es bei weitem nicht genug, wenn die katholische Kirche nun einzelnen Betroffenen geringe Entschädigungszahlungen anbietet und sich halbherzig
entschuldigt.
Sexuelle Gewalt gegen Kinder muss aufhören. Jede Form sexueller Gewalt muss aufhören. Und das geht nicht, ohne dass sich die Strukturen der Institutionen, Familien, Staaten und Gesellschaften grundlegend verändern.
Wir rufen alle Betroffenen und auch alle Nichtbetroffenen, die sich mit unseren Inhalten solidarisieren, dazu auf, sich an unserem Protest zu beteiligen.

Weitere Infos sowie die Bastelanleitung für die Masken auf www.wildwasser-berlin.de/veranstaltungentermine.htm und weiteren Anti-Papst-Aktionen auf www.what-the-fuck.blogsport.de

PM: Christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten stellen ihren Angriff auf die Rechte der Frauen als human dar. Lobbyarbeit des „Marsch für das Leben“ im Bundestag unethisch.

Das Berliner Bündnis „What the Fuck“, welches Proteste gegen die christlich-fundamentalistische Demonstration gegen die Wahlfreiheit von Frauen über ihren Körper am 17.September und gegen den Papstbesuch am 22. September organisiert, bezeichnet die aktuelle Lobbyarbeit der Organisatorinnen und Organisatoren der „Marsches für das Leben“ als „unethisch, antihumanistisch und scheinheilig“.
Wie in den vorangegangenen Jahren versuchen die Organisationen, welche hinter dem christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ stehen, ihre Demonstration mit möglichst vielen Grußworten aus Politik und christlichen Religionsgemeinschaften aufzuwerten. Seit einigen Jahren marschieren zwischen 400 und 600 fundamentalistische Christinnen und Christen, zum Teil verstärkt durch Angehörigen der radikalen Rechten, in Berlin, um mit antifeministischer Argumentation Frauen das Recht abzusprechen, über eine Abtreibung selber entscheiden zu dürfen. Vielmehr fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Märsche, Abtreibungen vollständig zu verbieten. Dabei berufen sie sich auf eine extreme Auslegung der Bibel, benutzen aber auch nationalistische, rassistische und biologistisch Argumentationen und greifen auf explizit falsche Argumentationen zurück. So behaupten sie zum Beispiel die Existenz eines Post-Abortion-Syndroms, welches medizinisch nicht nachgewiesen ist.
Joanna Doe, Pressesprecherin des What the Fuck-Bündnisses skizziert: „Letztlich geht es dem ‚Marsch für das Leben‘ darum, die gesamte Gesellschaft ihrem fundamentalistischen Menschen- und Gesellschaftsbild zu unterwerfen. Nach diesem Bild hätten sich alle Menschen dem göttlichen Willen zu unterwerfen. Der systematische Angriff auf die Rechte von Frauen; der Versuch, Abtreibungen als Mord erscheinen zu lassen, sind eine der wichtigsten Politikfelder des christlichen Fundamentalismus.“ Doe betonte, dass sich ihr Bündnis, dass zu Protesten gegen den „Marsch für das Leben“ aufruft, auch gegen die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch, wie sie in § 218 StGB niedergelegt sind, wendet. „Auch der § 218 entwürdigt Frauen und deren Recht auf Selbstbestimmung und gehört ersatzlos gestrichen. Abtreibung ist ein medizinischer Eingriff und jede Frau soll die Möglichkeit haben, sich ohne Strafandrohung für oder gegen einen solchen zu entscheiden.“
Zum aktuell laufenden Versuch der Organisatorinnen und Organisatoren, mittels massiver Werbung im Bundestag möglichst viele Grußworte für ihren Marsch einzuwerben, sagte Doe: „Diese Versuche gibt es schon seit Jahren. Dabei stellt sich der ‚Marsch für das Leben‘ als humane Veranstaltung dar, die gewaltlos eine wichtiges Thema vertreten würde. Martin Lohmann, der die diesjährige Mail unterzeichnet hat, stellt dabei nicht nur falsche Behauptungen auf, wie die, dass Embryonen ‚ungeborenes Leben‘ wären. Er verschweigt auch die strukturelle und moralische Gewalt, die von dem Spektrum, dass seinen Marsch organisiert, gegen Frauen oder einfach alle Andersdenken ausgeht. Die angebliche Humanität des Aufmarsches beschränkt sich darauf, dass sich Menschen einem Gott und dessen angeblichen Willen unterwerfen sollen. Außerdem versuchen die Organisatorinnen und Organisatoren seit Jahren aktiv zu verdrängen, dass sie mit ihrer nationalistischen Argumentation vom angeblichen Aussterben des deutschen Volkes genau das Gleiche sagen, wie Neonazis. Genauer: Fast bei jedem der ‚Märsche für das Leben‘ sind Rechtsradikale dabei und berichten anschließend begeistert darüber.“
Das Bündnis „What the Fuck“ ruft auf, am 17.09.2011 gegen den „Marsch für das Leben“ und den § 218 zu protestieren. Dazu Doe: „Egal, wie viele Grußworte der Aufmarsch des christlichen Fundamentalismus dieses Jahr einsammelt: Er bleibt ein antifeministischer Aufmarsch, der gestoppt werden muss. Nur sollte jede und jeder, der oder die ein Grußwort liefert auch wissen, wen er oder sie da grüßt. Einen Haufen von Fundamentalistinnen und Fundamentalisten, die gemeinsame Sache mit Neonazis machen. Da werden wir mit Kritik nicht sparen.“

Besuch bei OrganisatorInnen
des 1000 Kreuze-Marsches

„Einige autonome Feminist_innen“ besuchten am 06. September die angebliche Beratungsstunde von Kaleb, der Organisation, die in Berlin den 1000 Kreuze Marsch organisiert und schauten sich die ganze Sache mal an. Dazu schrieben sie hier:

Unangekündigten Besuch von einigen Pro-Choice Aktivist_innen bekam heute Nachmittag das Berliner Büro der „Beratungsstelle“ kaleb in der Fehrbelliner Straße 99. Der Verein der sich mit vollem Namen „kooperative arbeit leben ehrfürchtig bewahren“ nennt, ist eine Lobbyorganisation der christlich-fundamentalistischen „Lebensschutzbewegung“. Als Mitglied im Bundesverband Lebensrecht zählt der Verein zu den Mitorganisatoren des jährlichen „1000 Kreuze“-Marsches klerikaler, antifeministischer Abtreibungsgegener_innen in Berlin und ruft auch für den 17.09. wieder mit zum so genannten „Marsch fürs Leben“ auf.
Deshalb machte sich eine Gruppe von Feminist_innen heute auf dem Weg nach Prenzlauer Berg, um ihren Protest gegen das reaktionäre Weltbild der selbst ernannten Lebenschützer_innen direkt vor Ort zur artikulieren. Die Aktivist_innen hinterliessen Parolen für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihre Körper im Hausflur und brachten mittels Akustikartikeln leben in den Arbeitsalltag der christlichen Fundis. Einigen von ihnen wird der Gruß sicherlich noch einige Zeit in den Ohren gepfiffen haben.

Am 17.09. werden weitere Aktionen folgen: 1000 Kreuze in die Spree!!!