Pressemitteilung: Bündnis „What the Fuck“ zieht positive Bilanz der Proteste gegen den Papstbesuch. „Bedeutungsverlust der Kirche offensichtlich geworden, radikale Religionskritik weiter notwendig.“

Das Berliner Bündnis „What the Fuck“ zieht eine positive Bilanz der Proteste gegen den Papstbesuch am 22.09.2011. Joanna Doe, die Sprecherin des Bündnisses, fasst zusammen: „Wir haben zum einen klar vermittelt, dass eine radikale Religionskritik notwendig ist und nicht nur ein nettes Bitten darum, dass die Kirche sich verändern sollte. Der jetzige Papst ist ein Bollwerk anti-aufklärerischen Denkens, welcher nicht nur sexistisch, homophob und antisemitisch agiert, sondern grundsätzlich den gesellschaftlichen Fortschritt zurückdrehen will. Unser Bündnis hat laut und wahrnehmbar formuliert, dass es bei diesem Papst nicht mehr um Kompromisse gehen kann, sondern nur noch darum, ihn aufzuhalten. Zum anderen hat der Besuch der Papstes und die Proteste den Bedeutungsverlust der katholischen Kirche klargemacht. Kaum jemand in Berlin hat sich für den Besuch interessiert. Statt jubelnder Massen, die sich erhofft wurden, fanden sich fast nur noch die Hardcore-Fans ein. 9000 leere Plätze im angeblich ausverkauften Olympiastadion sprechen Bände. Das erübrigt nicht die Kritik an der Kirche, beispielsweise sind die Opfer des sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen immer noch da und die Strukturen, die den Missbrauch ermöglichten, auch. Aber es ist trotzdem ein Zeichen der fortschreitenden Säkularisierung.“
Das Bündnis hatte im Vorfeld der Proteste Informationsveranstaltungen zur Ideologie der Papstes, der katholischen Kirche und des christlichen Fundamentalismus durchgeführt, Proteste vor dem Haus der Deutschen Bischofskonferenz, der Päpstlichen Nuntiatur und gegen den jährlichen Aufmarsch christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegnerinnen und -gegner organisiert, zahlreiche Materialien verteilt sowie Gegenpäpstin Rosa I. ausgerufen. Am Tag des Papstbesuches demonstrierte das Bündnis morgens am Flughafen Tegel, unterstützte den Block der Opfer sexueller Gewalt auf der Großdemonstration und führte eine Nachtkundgebung für Hedonismus und gegen christliche Moral durch. Die Nachtkundgebung in größtmöglicher Nähe zur Päpstlichen Nuntiatur wurde von 400 bis 500 Menschen besucht. Nach dem von der Polizei durchgesetzten Ende nahmen sich Teile der Kundgebung das Recht, weiter zu tanzen. Dies wurde von der Polizei zum Teil gewaltsam unterbunden, wobei es zu mehreren Festnahmen kam.
Joanna Doe kritisierte das Auftreten der Polizei. „Die Sicherheitsvorkehrungen für den Papst grenzten an paranoides Verhalten. Dies richtete sich nicht nur gegen uns, aber es war auffällig, dass die von uns nicht bedrohte Sicherheit des absolutistischen Herrschers Vatikanstadts offensichtlich für die Berliner Polizei mehr zählt, als das Recht auf Demonstrationsfreiheit.“
Zu den Reden des Papstes in Berlin bemerkte Doe, dass dieser nichts gesagt hätte, was nicht zuvor erwartet gewesen wäre. „Erstaunlich ist vielleicht nur, mit welcher Unverschämtheit der Papst die Säkularisierung, Wissenschaft und moderne Gesellschaft angriff, ohne gestoppt zu werden. Wer fordert, die Menschen müssten mehr glauben oder behauptet, dass biblische Naturbild sei richtiger als das Bild der Naturwissenschaften, will die Unterordnung der Menschen unter einen angeblich allmächtigen Gott. Darum geht es Benedikt und all diejenigen, die ihm für solche Aussagen auch noch applaudieren, zeigen, dass sie von der Selbstbestimmung der Menschen offenbar nichts halten. Die gesamte Kritik der modernen Gesellschaft, den vielfältigen Geschlechterverhältnissen und der Wissenschaft, die Benedikt vorgebracht hat, verweist in die Vormoderne. Zudem überwiegt seine Weigerung, Kritik als berechtigte Kritik anzuerkennen und die Strukturen seiner Kirche, die Verbrechen ermutigen, zu ändern.“
Doe kündigte an, dass die Gruppen ihres Bündnisses in Zukunft an der Weiterentwicklung der Religionskritik arbeiten und gegen religiösen Fundamentalismus vorgehen würden. Nicht nur die Proteste gegen den „Marsch für das Leben“ würden fortgeführt. „Unsere Beschäftigung mit der katholischen Kirche haben dazu geführt, dass unser Blick für die Politik von Religionsgemeinschaften geschärft wurde. Dies wird sich in unserer Arbeit niederschlagen.“

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Bonus: Fans des Papstes sehen überall Sex oder: Die angebliche Friedfertigkeit der Papst-Fans und die Realität der Bilder. (Video von leftvision)

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Vergessen Sie bitte nicht, auch die Proteste in Erfurt (http://papstabschaffen.blogsport.de/) und Freiburg (http://wtffr.blogsport.eu/) zu besuchen.