Presseerklärung: 17.09.2011
Proteste gegen 1000 Kreuze Marsch

Presseerklärung: 17.09.2011 Proteste gegen christlich-fundamentalistischen Anti-Abtreibungsmarsch in Berlin erfolgreich. Zahl der Teilnehmenden stagniert, kein Öffentlichkeitserfolg.

Berlin, 17.09.2011. Das Berliner Bündnis „What the Fuck“, welches zu Protesten gegen den „Marsch für das Leben“ christlich-fundamentalistischer Organisationen am 17.09.2011 in Berlin aufgerufen hatte, zieht eine positive Bilanz. Rund 1000 fundamentalistische Christinnen und Christen hatten, wie in den letzten Jahren, gegen Abtreibungen protestiert. Damit blieb die Zahl der Teilnehmenden konstant. Zuvor hatten die Organisatorinnen und Organisatoren des Marsches für das Leben mit mehreren Tausend Teilnehmenden gerechnet. „Auch die jetzt genannte Zahl von 2.200 ist weit übertrieben und zeigt, wie wenig die christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten vor unchristlichen Lügen zurückschrecken“, erklärt Joanna Doe von „What the Fuck“-Bündnis schmunzelnd.
Der „Marsch für das Leben“ wurde die gesamte Strecke über von lautstarken Protesten mehrerer hundert Menschen, größtenteils aus dem feministischen und antifaschistischen Spektrum begleitet. „Der Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch hat sich etabliert“, so Joanna Doe. „Konnten vor einigen Jahren christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten in Berlin noch relativ ungestört ihre antimodernen Gesellschafts- und Menschenvorstellungen verbreiten und über Lobbyarbeit versuchen, diese auch in Gesetzesform gesellschaftlich relevant werden zu lassen, ist ihnen das nicht mehr möglich. Insoweit sehen wir es als Erfolg an, dass sie dies nicht mehr ungestört können, sondern unter beständiger Beobachtung stehen. Sie können nicht mehr einfach ihre antifeministischen, homophoben und nationalistischen Vorstellungen unwidersprochen äußern.“
Letztlich sei der „Marsch für das Leben“ wieder kein Öffentlichtkeitserfolg für die christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten gewesen.
Das Bündnis „What the Fuck“ hatte aufgerufen, nicht nur gegen den Marsch für das Leben, die dort erhobenen Forderungen nach einem Verbot von Abtreibungen und dem letztlichen Ziel, eine christliche Gesellschaft zu erreichten, zu protestieren. Vielmehr stand der Protest für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und damit auch gegen den §218 StGB im Fokus der Proteste.
Das Verhalten der Berliner Polizei, die rabiat gegen Protestierende vorging und versuchte, die Gruppen möglichst weit auseinander zu halten, verurteilte das Bündnis. Dazu Doe: „Die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten gehen auf die Straße, um die Öffentlichkeit zu erreichen. Wer in Öffentlichkeit geht, muss damit leben, das gegen ihn protestiert wird, insbesondere, wenn er anderen Menschen den eigenen Glauben aufzwingen will. Deshalb muss die Sicht- und Hörweite von Protesten immer gegeben sein. Es gibt keinen Grund, warum eine radikale Christin davor geschützt werden muss, zu sehen, wie zwei Männer sich küssen – nur als Beispiel. Das Vorgehen der Polizei, die einzig gegen Protestierende vorging, stand dem wieder einmal gegenüber.“ Insgesamt gab es vier Gewahrsamnahmen.
Das Verhalten der Teilnehmenden des „Marsches für das Leben“ zeigte in der Einschätzung des „What the Fuck“-Bündnis wieder einmal, dass diese sich ideologisch zwischen Rechts-Konservatismus und Neofaschismus bewegen. So liefen die Männer auf dem Marsch am Rand, angeblich um Frauen und Kinder zu schützen und zeigten damit offen ihr Geschlechter- und Familienbild. Zudem wurde auf der Abschussveranstaltung des Marsches wieder die Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, die der Neuen Rechten zugerechnet wird und regelmäßig über den Marsch für das Leben berichtet, offen verteilt.
Das „What the Fuck“-Bündnis ruft weiterhin zu Protesten gegen den Papstbesuch am 22.09.2011 auf. Es verwies darauf, dass der Marsch für das Leben in Berlin ohne die Unterstützung der katholischen Kirche nicht stattfinden könne. Die offiziellen Abgrenzungen der Kirche gegenüber den Fundamentalismus seien deshalb ein Farce.