Presseerklärung: Proteste gegen christlich-fundamentalistischen Anti-Abtreibungsmarsch am 17.09.2011 in Berlin. Bündnis: „Fundamentalismus gehört bekämpft – §218 gehört abgeschafft.“

Berlin, 15.09.2011. Das Berliner Bündnis What the Fuck, welches auch gegen den Besuch des Papstes am 22.09.2011 mobilisiert, kündigt Proteste gegen den „Marsch für das Leben“ am 17.09.2011 in Berlin an. Dieser Marsch wird von christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten organisiert, welche sich gegen jede Form von Abtreibung engagieren. Unter dem irreführenden Label des Lebensschutzes existiert, so das What the Fuck Bündnis, eine auch in Deutschland aktive Bewegung, die eine radikal christliche Gesellschaft errichten will und gegen alle Formen des gesellschaftlichen Fortschritts vorgeht. Der Kampf gegen Abtreibung ist eine der Politikfelder dieser Bewegung. Der „Marsch für das Leben“, welcher über das Jahr verteilt in mehreren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfindet, sei ein Versuch, die Inhalte des christlichen Fundamentalismus öffentlich zu vertreten.
Im christlich-fundamentalistischen Weltbild gelte, so das Bündnis What the Fuck, das Selbstbestimmungsrecht der Frau vor allem eine Abweichung von Gottes Plan. Letztes Ziel sei, das sich gesamte Gesellschaft diesem angeblichen Plan Gottes unterwerfen solle. Die von der christlich-fundamentalistischen Bewegung angestrebte Gesellschaft, würde sich durch eine strikte Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität auszeichnen, wäre auf explizit antidemokratischen Herrschaftsformen aufgebaut, die sich bis in die persönlichsten Beziehungen durchsetzen würden. Zudem sei sie von einer strikten Schicksalsgläubigkeit geprägt. Das Bestehende würde von christlichen Fundamentalismus als gottgewollt verstanden. „Der Mensch soll sich nach diesem Bild einfach Kollektiven unterordnen und auf eigenständige Entscheidungen oder gar eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungen verzichten“, so Joanna Doe, Sprecherin des Bündnisses. „In letzter Konsequenz ist der christliche Fundamentalismus eine radikalisierte Variante der Rechtskonservatismus, inklusive des Nationalismus, Anti-Feminismus und der radikalen Ablehnung der Selbstaufklärung der Menschen. Dies ist eine politische Bewegung, die nicht nur selber teilweise gewalttätig wird, sondern auch klare Anschlüsse zum Neofaschismus liefert. Deshalb laufen bei fast allen dieser Märsche auch Neofaschistinnen und Neofaschisten mit.“
Gegen den „Marsch für das Leben“ wird in Berlin und anderen Städten seit einigen Jahren aktiv protestiert. Dazu Joanna Doe: „Die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten behaupten, eine Abtreibung sei mit Mord gleichzusetzen. Frauen hätten nicht etwa das Recht, selber über ihren Körper zu entscheiden. Vielmehr würde Gott darüber entscheiden, wann ein Kind gezeugt wird. Dieses sei deshalb unter allen Umständen zur Geburt zu bringen, selber wenn die Zeugung Ergebnis einer Vergewaltigung ist. Es ist klar ersichtlich, dass diese Haltung Frauen zu Geburtsmaschinen degradiert.“ Joe betonte weiter, dass ihr Bündnis dahingegen an der alten Forderung der feministischen Bewegung nach der ersatzlosen Streichung des §218 StGB, welches Abtreibung weiterhin unter Strafe stellt, festhält. Jeder Kompromiss in dieser Frage sei ein Angriff auf die Rechte der Frauen.
Gegen den „Marsch für das Leben“ ruft das Bündnis zu drei Kundgebungen auf. Die erste wird um 12.00 Uhr am Bundeskanzleramt, dem Aufmarschort des Marsches, starten. Die zweite befindet sich auf der Strecke des Marsches, die letzte wird ab 15.00 Uhr am Endpunkt des Marsches, der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz, beginnen.
Im Bezug auf den bevorstehenden Papstbesuch betonte Joanna Doe, dass der Marsch für das Leben ohne die Unterstützung der katholischen Kirche nicht in der bekannten Form durchgeführt werden könnte. „Zwar stammen die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten aus allen christlichen Strömungen, aber es ist die katholische Kirche, die in Berlin die Infrastruktur zur Verfügung stellt: Das Büro der organisierenden Gruppe befindet sich in einer katholischen Einrichtung, der Abschlussgottesdienst wird von einem katholischen Geistlichen in einer katholischen Kirche durchgeführt. Die Päpstliche Nuntiatur grüßt den Marsch jährlich. Der christliche Fundamentalismus ist kein Randphänomen, sondern eine Strömung, die von den großen christlichen Kirchen unterstützt wird. Das muss auch einmal klar gestellt werden.“