AG Gewaltökonomien:
Familienpolitik entlarven!

Ökonomien der Bevölkerung: Familienpolitik entlarven!

Montag, 19.09.2011; 19h; Familiengarten Kreuzberg, Oranienstraße 34 (rolli-gerecht)

Seit einigen Jahren schon gelten demografische Ziele als Motor staatlicher Familienpolitik in Deutschland wieder als legitim. Vor allem einkommensstarke, akademisch gebildete Frauen mit deutschem Pass sollen (mehr) Kinder bekommen (Elterngeld, Tagesbetreuungsausbaugesetz etc.); auf der anderen Seite wurden staatliche Unterstützungen für Hartz-4 Empfängerinnen und Geringverdienerinnen gekürzt, ebenso gab es Einsparungen im Bereich der Jugendbildung und Kinderfreizeitbetreuung. Auf diese Weise werden bestimmte Bevölkerungsgruppen begünstigt und andere immer weiter an den Rand gedrängt; eine Entwicklung, die sich in vielen Staaten, aber auch auf der globalen Ebene beobachten lässt. Diese Art von Fortpflanzungspolitiken sind hoch selektiv-, sie sollen steuern wer Kinder bekommt und welche Kinder geboren werden. Diese Entwicklung korrespondiert mit neokonservativen Backlashs in den Frauengesundheits-Debatten, Abtreibungsfragen und rasanten Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin.

Eine feministische Kritik aktueller Fortpflanzungspolitik muss sich nicht nur mit pronatalistischen, sondern auch mit antinatalistischen Programmen, die Einfluss auf die Geburtenrate nehmen wollen, auseinandersetzen. Diese sind darüber hinaus im Rahmen aktueller Gendiagnostik mit eugenischen Tendenzen zu betrachten. Welche Abgrenzungen zu konservativen, lebensschützerischen Positionen und Vereinnahmungsversuchen sind dabei wichtig? Ein Rückblick in feministische Konzepte der reproduktiven Rechte könnte dafür interessant sein.

Anlässlich des Papstbesuchs wollen wir bei unserer Diskussionsveranstaltung beleuchten, auf welche Weise diese Politiken heteronormative Vorstellungen der Kleinfamilie fortschreiben, welchen nationalen und ökonomische Interessen sie bedienen, und von welchen konservativen, kirchlichen und rassistischen Lobbies sie vorangetrieben werden. Nicht zuletzt wollen wir fragen, wie eine emanzipatorische, queer/feministische Positionierung und Praxis zu den familien-, bevölkerungs- und gesundheitspolitischen Entwicklungen aussehen kann.

Zu Gast:
Susanne Schultz vom Gen-ethischen Netz e.V.: zum Thema Demografie und Familienpolitik
Sarah Diehl vom pro choice Netzwerk: zum Thema die Rolle von Kirche und Konservativen in Familien- und Gesundheitspolitik weltweit

organisiert von der AG Gewaltökonomien