PM: Christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten stellen ihren Angriff auf die Rechte der Frauen als human dar. Lobbyarbeit des „Marsch für das Leben“ im Bundestag unethisch.

Das Berliner Bündnis „What the Fuck“, welches Proteste gegen die christlich-fundamentalistische Demonstration gegen die Wahlfreiheit von Frauen über ihren Körper am 17.September und gegen den Papstbesuch am 22. September organisiert, bezeichnet die aktuelle Lobbyarbeit der Organisatorinnen und Organisatoren der „Marsches für das Leben“ als „unethisch, antihumanistisch und scheinheilig“.
Wie in den vorangegangenen Jahren versuchen die Organisationen, welche hinter dem christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ stehen, ihre Demonstration mit möglichst vielen Grußworten aus Politik und christlichen Religionsgemeinschaften aufzuwerten. Seit einigen Jahren marschieren zwischen 400 und 600 fundamentalistische Christinnen und Christen, zum Teil verstärkt durch Angehörigen der radikalen Rechten, in Berlin, um mit antifeministischer Argumentation Frauen das Recht abzusprechen, über eine Abtreibung selber entscheiden zu dürfen. Vielmehr fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Märsche, Abtreibungen vollständig zu verbieten. Dabei berufen sie sich auf eine extreme Auslegung der Bibel, benutzen aber auch nationalistische, rassistische und biologistisch Argumentationen und greifen auf explizit falsche Argumentationen zurück. So behaupten sie zum Beispiel die Existenz eines Post-Abortion-Syndroms, welches medizinisch nicht nachgewiesen ist.
Joanna Doe, Pressesprecherin des What the Fuck-Bündnisses skizziert: „Letztlich geht es dem ‚Marsch für das Leben‘ darum, die gesamte Gesellschaft ihrem fundamentalistischen Menschen- und Gesellschaftsbild zu unterwerfen. Nach diesem Bild hätten sich alle Menschen dem göttlichen Willen zu unterwerfen. Der systematische Angriff auf die Rechte von Frauen; der Versuch, Abtreibungen als Mord erscheinen zu lassen, sind eine der wichtigsten Politikfelder des christlichen Fundamentalismus.“ Doe betonte, dass sich ihr Bündnis, dass zu Protesten gegen den „Marsch für das Leben“ aufruft, auch gegen die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch, wie sie in § 218 StGB niedergelegt sind, wendet. „Auch der § 218 entwürdigt Frauen und deren Recht auf Selbstbestimmung und gehört ersatzlos gestrichen. Abtreibung ist ein medizinischer Eingriff und jede Frau soll die Möglichkeit haben, sich ohne Strafandrohung für oder gegen einen solchen zu entscheiden.“
Zum aktuell laufenden Versuch der Organisatorinnen und Organisatoren, mittels massiver Werbung im Bundestag möglichst viele Grußworte für ihren Marsch einzuwerben, sagte Doe: „Diese Versuche gibt es schon seit Jahren. Dabei stellt sich der ‚Marsch für das Leben‘ als humane Veranstaltung dar, die gewaltlos eine wichtiges Thema vertreten würde. Martin Lohmann, der die diesjährige Mail unterzeichnet hat, stellt dabei nicht nur falsche Behauptungen auf, wie die, dass Embryonen ‚ungeborenes Leben‘ wären. Er verschweigt auch die strukturelle und moralische Gewalt, die von dem Spektrum, dass seinen Marsch organisiert, gegen Frauen oder einfach alle Andersdenken ausgeht. Die angebliche Humanität des Aufmarsches beschränkt sich darauf, dass sich Menschen einem Gott und dessen angeblichen Willen unterwerfen sollen. Außerdem versuchen die Organisatorinnen und Organisatoren seit Jahren aktiv zu verdrängen, dass sie mit ihrer nationalistischen Argumentation vom angeblichen Aussterben des deutschen Volkes genau das Gleiche sagen, wie Neonazis. Genauer: Fast bei jedem der ‚Märsche für das Leben‘ sind Rechtsradikale dabei und berichten anschließend begeistert darüber.“
Das Bündnis „What the Fuck“ ruft auf, am 17.09.2011 gegen den „Marsch für das Leben“ und den § 218 zu protestieren. Dazu Doe: „Egal, wie viele Grußworte der Aufmarsch des christlichen Fundamentalismus dieses Jahr einsammelt: Er bleibt ein antifeministischer Aufmarsch, der gestoppt werden muss. Nur sollte jede und jeder, der oder die ein Grußwort liefert auch wissen, wen er oder sie da grüßt. Einen Haufen von Fundamentalistinnen und Fundamentalisten, die gemeinsame Sache mit Neonazis machen. Da werden wir mit Kritik nicht sparen.“